Briefe an Sara

...

Tag 8 Liebeserklärung; Gartz - Hohensaaten, 57 Kilometer.

Seit einer Woche bin ich nun unterwegs und nicht ein einziges Mal habe ich beim Wandern nach dem Wetterbericht geschaut. Warum sollte ich auch? Hier bin ich ja sowieso. Und das Wetter auch. Da brauche ich mich nur umzuschauen und die Zeichen richtig deuten. Und ohnehin werde ich das Wetter wie auch alle anderen Umstände genau so hinnehmen müssen, wie es ihnen passt. Wie immer werde ich dann versuchen, das Beste daraus zu machen.


Auf dem Deich der Westoder
Ich b i n hier. J e t z t. In einer Kulisse, die ihres gleichen sucht: Die Straße. Weit im Westen. Ihr Lärm dringt nur noch wage an mein Ohr. Bald schon wird sie für mich verschwunden sein. Die Natur aber bleibt. Den Deich habe ich fast für mich allein. Weit hinten am Horizont scheint er zu verschmelzen mit den Silhouetten der Bäume. Auf dem ruhigen Wasser der Westoder zu meiner Linken, nur unmerklich fließt sie mir entgegen, treibt ein kleines Fischerboot. Ab und zu greift der Fischer nach dem Ruder, um seine Position zu korrigieren. Kaum wahrnehmbar liegt über allem - wie ein zarter Hauch - der morgendliche Nebel. Fast unmerklich lässt er zu harte Konturen weich ineinander übergehen. Anfangs ist mein Weg nach Süden der letzte Weg vor der Grenze. Grenzpfeiler, die immer wieder neu auf sich aufmerksam machen. Die Natur scheint deren Bedeutung nicht zu kennen. Noch ist es frisch und ich steife die Kapuze über. Doch wenn die Wolkendecke später aufreißt, verspricht es ein wunderschöner Tag zu werden.

Ein Paradies, das du nicht kennst, wenn du nicht lang genug verweilst.

Wo, wenn nicht hier, wird es mir gelingen, auf den Grund meiner Seele zu blicken. Bei dieser Gelegenheit fallen mir die zwei Träume ein. Träume, die ich noch verarbeiten muss. Eigentlich nur für mich. Wenn da nicht dieses Versprechen wäre.

...