|
| |||||||||||||||||||||||||||||||
ReiseberichtDie Wanderung beginnt unter denkbar ungünstigen Vorzeichen. So hatten sich wenige Tage vor dem geplanten Start Temperaturen von unter 0 °C eingestellt. Diese waren begleitet von Niederschlägen, die teils sogar als Schnee niedergingen.27.03.2007 (Görlitz - Hirschfelde): Der Wecker klingelt recht früh. Nach einer angenehmen Fahrt mit der Lausitzbahn beginnt die eigentliche Wanderung kurz nach acht am Görlitzer Bahnhof. Das Wetter hat sich beruhigt, sonnig soll es werden. Trotz alledem bevorzuge ich zunächst, noch Handschuhe zu tragen.
Am alten, stillgelegten Bahnhof von Deutsch Ossig lege ich meine erste Verschnaufpause ein, der erste halbe Liter Milch und eine Banane müssen dran glauben. Die 12 kg Übergewicht auf meinem Rücken, fangen langsam an sich bemerkbar zu machen. Während ich auf dem einzigen vorhandenen Bahnsteig stehe und mir vorstelle wie das Leben hier wohl aussehen würde, wenn man den Ort nicht platt gemacht hätte, macht sich ein Radlerehepaar auf einem nahe gelegenem Rastplatz offenbar ernsthaft Sorgen um mich. Später teilen sie mir mit: "Da hält doch schon lange kein Zug mehr, die fahren nur noch durch." Ich folge ihrem Rat und nutze den Weg direkt entlang der gerade entstehenden "Freizeit-Oase", na ja, ein bisschen Fantasie ist schon notwendig. Kurz vor Hagenwerder endet mein Weg dann plötzlich im dichten Gestrüpp, wahrscheinlich habe ich verpasst einen Abzweig zu nehmen. Trotz panischer Zeckenphobie schlage ich mich durch das immer dichter werdende Unterholz eines lange nicht mehr genutzten Rangiergleises. Schließlich lande ich in einer Kleingartenanlage. Zum Glück ist nichts verschlossen, so bleibt mir wenigstens das Klettern über das Ausgangstor erspart. Aller Hoffnung zum Trotz führt mich der Radweg erst mal nicht mehr zur Neiße, sondern mitten durch den Ort Leuba, Hauptstraßenfeeling kommt auf. Später auf dieser Tour werde ich noch oft erleben, dass ausgeschilderte Radwege (die mich als Wandersmann ja regelrecht anziehen) oft parallel zu verkehrsreichen Straßen geführt sind. Wie ich in ein paar Stunden erfahren werde, falle ich hier schon wieder auf.
Mit angenehmen Oberlausitzer Dialekt, "Mensch, dich hab ich doch vorhin schon in Leuba gesehen, bist aber gut vorangekommen", begrüßt mich ein Radler, der im Neißetal mit seiner Familie unterwegs ist. Er hatte wohl letztens schon einen "Zu-Fuß-Republik-Umrunder" bei sich beherbergt und bietet auch mir sofort und unaufgefordert einen Schlafplatz an. Ich lehne dankend ab, mein Quartier ist ja bereits gebucht. Im "Supermarkt" von Hirschfelde gehen meine Probleme dann so richtig los. Ich suche etwas Streichfähiges für auf die Brötchen. Die Dose Margarine gibt es erst ab 500 g, 1000 g kann man auch bekommen, Butter ab 250 g. Ich seh' das Zeug schon am nächsten Tag aus meinem Rucksack tropfen. Widerwillig entscheide ich mich für ein 100 g Stück Knoblauchkräuterbutter, ich muss es ja nicht riechen. Die Butter werde ich dann so dick schmieren, dass auch ja nichts übrig bleibt. Abends fällt es mir schwer zu glauben, dass ich den Rucksack länger als auch nur noch einen Tag mit mir herumtragen werde. Außerdem mache ich erste Erfahrungen mit Urgroßmutters Methode Wäsche zu waschen. Dazu benutze ich einen Teil meiner eigens dafür mitgeführten Miniportion Flüssigwaschmittel. Es werden wohl noch einige Versuche notwendig sein, um das Verfahren zu optimieren.
Der nächste Tag beginnt nicht so früh, es stehen ja auch deutlich weniger Kilometer auf dem Tagesprogramm. Mein vermutlich blauer Lendenbereich wird sich freuen, ich riskiere lieber keinen Blick darauf. Den Anfang des Wanderweges durch das Kemlitz-Tal finde ich nicht, so entscheide ich mich für die sehr wenig befahrene Dorfverbindungsstraße zunächst in Richtung Dittelsdorf. Später wechsle ich am Steinberg auf einen landwirtschaftlichen Nutzweg, dem ich bis nach Schlegel folge. Auf dem Weg zum einstigen Wohnhaus meines Urgroßvaters Max Hofmann im ehemaligen Burkersdorf, mache ich mir Gedanken über das damalige Leben seiner Familie. Das harte, einfache, aber auch erfüllte Leben seiner einfachen Bauernfamilie mit all seinen Höhen und Tiefen. Es scheint mir in vielerlei Hinsicht eine echte Alternative zu unserem heutigen schnelllebigen und flüchtigen Lebensstil. Und, ist es nicht gerade diese Einfachheit, die alltägliche Freude über die kleinen Dinge im Leben, die uns in unserer heutigen Zeit fast komplett verloren gegangen ist? Vielleicht sieht ja aber auch alles im Nachhinein betrachtet viel besser aus, als es zu seiner Zeit wirklich war? An den Schlegler Teichen angekommen, entscheide ich mich für einen Wanderweg zum Blauen Stein. Ein fataler Fehler, wie sich kurz darauf herausstellen soll. Da hat doch jemand den gesamten Wanderweg mit schwerem Gerät komplett umgepflügt. Und zwar richtig, von der linken Waldkante bis zur rechten. Das Ganze gleicht einer Motocross-Strecke mit ca. 50 cm breiten wie tiefen und recht schlammigen Rillen. So viel zum Thema Wanderwege in der Oberlausitz. Nachdem ich mich mehrere 100 m durch das Unterholz geschlagen habe, ist der Weg dann auch wieder für meine Wanderschuhe begehbar. Am Blauen Stein erwartet mich dann ein liebevoll österlich geschmückter, überdachter Rastplatz. Für meine Begriffe ein echtes Highlight. Jetzt, nachdem die Hälfte oder zumindest ein Drittel des heutigen Weges geschafft ist, scheint auch meine Druckstelle im Lendenbereich klein bei zu geben. Vielleicht hat sich aber auch bloß der Rucksack an meine Form angepasst? Ein Stück den Klosterweg entlang geht es nun auf den Schanzberg mit seinen Windkraftanlagen und dann weiter über Oberseifersdorf nach Zittau. Ich weiß nicht, wie oft ich schon versucht habe, von der berühmten Zittauer Blumenuhr ein ordentliches Foto zu machen, auch diesmal soll mir das wieder nicht glücken. Das Licht ist super, die Bepflanzung frisch, jedoch ist ein Serviceteam mit einer umständlichen Apparatur damit beschäftigt das Areal zu bewässern. Und scheinbar haben die dafür den ganzen Tag eingeplant. Nächster Punkt auf meiner Wunschliste für die Zukunft. Jetzt noch ein kurzer Abstecher zum ehemaligen Landesgartenschaugelände, dort entdecke ich im Pethauer Teich eine für meine Begriffe riesige Schildkröte (ca. 30 cm). Sie sonnt sich bedächtig auf einem im Wasser liegenden Baumstamm. Ob sie irgendwem davongelaufen ist? Oder leben diese Schildkröten hier in freier Natur? Schließlich lande ich bei meiner Gastfamilie "Ruth und Christian", die mich wie ihren eigenen Sohn beherbergen und köstlich bewirten.
Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück verlasse ich Olbersdorf auf der von Christian vorgeschlagenen Route. Mein Rucksack ist derart mit leckerem Reiseproviant vollgestopft, dass mit Sicherheit in den folgenden Tagen mit einer Lebensmittelknappheit rund um Zittau zu rechnen ist. :-) Mein Weg führt direkt am Ufer des Olbersdorfer Sees entlang in Richtung Johnsdorf. Am Schmetterlingshaus wird eine kleine Rast gemacht. Zweites Frühstück ist angesagt. Obwohl eigentlich keine Bergetappe geplant ist, führt irgendwie kein Weg am Gipfel des Buchberges vorbei. Da muss wohl ein Gendefekt bei mir vorliegen. Wenn man einen Käfer auf der Hand hat, dann krabbelt dieser auch meist nach oben, egal wie man die Hand dreht. Müsst ihr mal beobachten! Bei mir rinnt der Schweiß jetzt in Strömen. Weiter geht es ein Stück bergab nach Waltersdorf und direkt hin zur Alten Wache, wo dann auf einer Bank Mittag gemacht wird. Genug Proviant ist ja noch vorhanden. Auf dem "Weichen Weg" gehe ich dann auf halber Höhe an der Lausche vorbei und weiter den geschwungenen Kamm, entlang der tschechischen Grenze, bis nach Herrenwalde. Nun wird der Himmel bedrohlich dunkel, aber ich soll wohl noch einmal trocken davonkommen. Zu meiner heutigen Gastfamilie, zu Petra und Hartmut nach Großschönau, geht es dann über einen Feldweg. Insgesamt hatte ich an diesem Tag ca. 640 Höhenmeter zu erklimmen. So langsam scheint sich mein Körper auch an die 12 kg Übergewicht zu gewöhnen. Abends wäscht Petra noch schnell meine Sachen, so dass ich am nächsten Tag wieder frisch und sauber auf Tour gehen kann. 30.03.2007 (Großschönau - Bautzen): Beim gemeinsamen Frühstück mit Petra und Hartmut lerne ich, dass im Hafer sehr viele Vitamine stecken, die unter anderem auch gut für die Gelenke sind. Da diese Vitamine wohl recht schnell verfliegen, sollte der Hafer am besten frisch geflockt auf den Frühstückstisch kommen. Ich denke mir so: "Da isst man also sein ganzes Leben lang Haferflocken, aus denen die besten Inhaltsstoffe bereits verflogen sind. Wieso sagt einem das keiner?" Aber Gewohnheiten kann man ja ändern. Diese Haferflocker (mit denen man selbst frische Haferflocken quetschen kann) gibt es wohl in jedem Bioladen, nicht ganz umsonst, aber was soll 's, Gesundheit kann man eh nicht mit Geld aufwiegen. Wieso frage ich mich eigentlich gerade, ob eine gesunde Ernährung nun gut oder eher schlecht für das Gesundheitssystem unseres Landes ist? Entsprechend Hartmuts Empfehlung nehme ich zunächst die Abkürzung über Varnsdorf, um nach Seifhennersdorf zu gelangen. Ab Seifhennersdorf ist der Wanderweg sehr gut ausgeschildert. Weiter geht es an den Silberteichen vorbei. Von den Silberteichen habe ich mir mehr erhofft, die Teiche sind jetzt zu einem eingezäunten Freibad umfunktioniert. Damit besteht zu dieser Jahreszeit nicht die kleinste Chance, auch nur in die Nähe des Ufers zu gelangen. Über Neugersdorf führt mein Weg dann weiter nach Ebersbach. Kurz vor Ebersbach liegt der Schlechteberg auf meiner Strecke. Und nun ratet mal, es geht nicht wie geplant daran vorbei, sondern ich finde mich bald oben auf dem Schlechteberg auf der Plattform des Aussichtsturmes wieder. Bis zum geplanten Etappenziel, der Bergbaude auf dem Bieleboh, ist jetzt etwa die Hälfte der Strecke geschafft. Bis dort geht es nun überwiegend über Wald- und Feldwege. Zur Mittagszeit gibt es noch eine kurze Rast im Wald.
Kurz vor halb acht, eine reichliche halbe Stunde vor dem Schließen der Rezeption, erreiche ich die Jugendherberge. "Glück gehabt", denke ich. Hier zahle ich zunächst meinen Jahresbeitrag von 20 Euro, der sich im Nachhinein allerdings (auf der weiteren Tour) noch als sehr gut angelegtes Geld herausstellen wird. Mein Zimmer ist nach neuestem Standard und sogar mit Dusche und WC ausgerüstet, so viel Luxus habe ich hier eigentlich gar nicht erwartet. Nach einer Stunde nur so daliegen, raffe ich mich doch noch auf und besuche einen Italiener gleich um die Ecke. Nach 50 Kilometern in reichlich 10,5 h ist jetzt eines glasklar, der nächste Tag ist ein Ruhetag.
So ruhig wie geplant, wird dieser Tag dann doch nicht. Als sich Füße, Muskeln, Knochen und Gelenke nach dem Wecken topfit anfühlen, wird der geplante Ruhetag kurzerhand gestrichen. "Nicht unnötig Zeit vergeuden", denke ich mir, "der Weg ist noch weit". Vor dem Frühstücksraum entdecke ich eine Karte der Region, auf der Radwanderwege eingezeichnet sind. Schnell entschließe ich mich, die bereits grob geplante Route zu vergessen und dem Radfernwanderweg entlang der Spree zu folgen. Das Wetter ist den ganzen Tag über super, es ist kein einziges Wölkchen am Himmel zu sehen. Nach einem kurzen Stadtrundgang und dem Auffüllen meines Proviantvorrates führt mich dieser Fernwanderweg an der Spree entlang aus Bautzen heraus und am Stausee vorbei. Ich mache noch einen kurzen Abstecher zur Staumauer, die man teilweise begehen kann. Dann geht es vorbei an einer idyllischen Teichlandschaft bis nach Saga. Noch ein bisschen mehr grün, und man würde mich hier nie wieder weg kriegen. :-) Dann verlasse ich den Radweg und entschließe mich, die Abkürzung über eine wenig befahrene Bundesstraße (ca. 6 km) zu nehmen. Zeitweise beschleicht mich ein ungutes Gefühl. Zum einen gab es recht wenig Orte am Wegesrand, zum anderen ist mir bisher weder eine Pension noch ein Gästezimmer aufgefallen. Und, bis auf einen Beobachtungs-Hochstand auch kein Platz für ein Notquartier. Hier, wo Wölfe ihr Unwesen treiben sollen, will ich nur sehr ungern auf dem bloßen Waldboden übernachten. Doch das Glück verlässt mich nicht. In Uhyst gibt es gleich mehrere Unterkünfte, diese werden schon Kilometer vor dem Ort auf großen Werbetafeln angekündigt. Es fällt auf, dass der ausgeschilderte Wanderweg kurz vor Uhyst einen Umweg nimmt. Vermutlich will man eine etwas abseits gelegene Pension nicht benachteiligen. Ich falle auf diesen Trick nicht herein und nehme den kurzen Weg. Ob es mir meine Füße danken werden? Ich entscheide mich für den Gasthof zum Adler. Bei einem leckeren Schweinebraten informiert mich ein Fan von Energie Cottbus über das aktuelle Spielergebnis gegen Werder Bremen. Er ist gerade erst vom Spiel zurückgekommen. Die Zeit nach dem Abendessen nutze ich, um ein paar meiner Sachen zu waschen. Zum ersten Mal kommt die Paketschnur zum Einsatz, ich spanne sie als Wäscheleine quer durch mein Pensionszimmer. Dabei hoffe ich, dass dann früh auch wirklich alles trocken sein wird. Auch heute fühlen sich meine Füße nicht wirklich gut an. Aber, von außen ist nichts zu sehen. So beschließe ich erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen. Im Augenblick jedoch, scheinen zwei Ruhetage mehr als angebracht. Nachts breche ich dann einen eisernen Grundsatz: "kein Fernsehen im Urlaub", aber den letzten Sieg von Henry Maske will ich mir nicht entgehen lassen. 01.04.2007 (Uhyst - Spremberg): Es ist erstaunlich, wie am Vortag ist mit den Füßen früh wieder alles im Lot. Es kann weiter gehen. Im Ort hatte man mir erzählt, dass das ehemalige Herrenhaus von Uhyst grad von einem Immobilien-Hai an den nächsten regelrecht verschachert wird. Schon aus Interesse führt mich mein Weg daher direkt daran vorbei. Ich stelle mir vor, wie das Leben hier wohl in früheren, glanzvolleren Zeiten ausgesehen haben mag. Wie am Vortag nutze ich auch ab Uhyst den gut ausgeschilderten Fernwanderweg. Na gut, bis auf einige Abkürzungen, die ich mir nicht verkneifen kann.
Zum ersten Mal seit Beginn meiner Tour spüre ich, wie eine unsichtbare Last von mir abfällt. Das gibt mir die Möglichkeit, noch mehr in alles um mich herum einzutauchen und diesen Zustand in vollen Zügen zu genießen. In Spremberg kommt dann die Ernüchterung. Für mein selbst gesetztes Limit von 25 Euro ist hier keine Unterkunft zu bekommen. "Ab 30 Euro", sagt mir hier jeder Vermieter. Man wird sich doch nicht abgesprochen haben? Ich lehne immer ab. "Bin ich geizig", frage ich mich, "oder ist das hier eher eine Frage des Prinzips?" Ich entscheide mich für die zweite Variante, denn, wer will schon als Geizhals dastehen. Außerdem stelle ich mir die Frage, wieso die Preise für Unterkünfte hier im östlichen Teil Deutschlands oft so viel höher sind als im westlichen Teil? So viel mehr verdient man doch hier im östlichen Teil Deutschlands gar nicht? Schnell spiele ich einige Notvarianten durch, es ist kurz nach halb sechs und 35 km sind schon gelaufen. Entweder ich versuche noch nach Bagenz zu kommen, dort soll es eine Jugendherberge geben. Doch wo ist diese und wird diese dann noch geöffnet haben? Oder ich laufe bis Cottbus durch? Nur, das wären dann insgesamt 65 km, ist das überhaupt machbar? Bleibt noch die Variante mit dem Schlafsack auf dem Waldboden? Ich entscheide mich, es erst einmal bis Bagenz zu versuchen. Kurz bevor ich Spremberg verlasse, sticht mir ein Werbeschild, "Radfahrer willkommen", in 's Auge, autsch. "Wieso nicht", denke ich mir, "ich bin zwar kein Radler, aber auch schon ein ganzes Stück unterwegs". Wider Erwarten kommt mir der Wirt mit dem Preis entgegen. So sitze ich dann eine halbe Stunde später beim Italiener und bin glücklich, die Nacht in Spremberg verbringen zu können. Meine Füße halten sich erstaunlich gut, als ob sie ahnen, dass bald eine kleine Verschnaufpause naht.
Der Weg nach Cottbus führt mich meist direkt an der Spree entlang. Dabei ist der Weg aus Spremberg heraus der schönste Teil der heutigen Strecke. Vielleicht aber auch nur, weil ich diesen Weg bis jetzt noch nie direkt an der Spree entlang gegangen bin. Mittag gibt 's am Bagenzer Zeltplatz, eine leckere Gemüsesuppe. Die Wirtin schmiert mir extra noch ein Butterbrot dazu. Einige ganz harte Camper sind auch schon da. Eigentlich will ich noch einen kleinen Snack im Lebensmittelladen kaufen. Laut Anschlag verspricht dieser auch offen zu sein. Drinnen steht aber nur Gerümpel. "Das 'Geöffnet'-Schild hängt immer dort, ob die nun offen haben oder nicht", erklärt mir die freundliche Wirtin vom Restaurant nebenan. Erstmals finde ich auch den Radweg in Neuhausen, den, der direkt an der Spree entlang verläuft. So versteckt, ist er eigentlich gar nicht, keine Ahnung warum ich ihn bei früheren Touren immer übersehen hatte. Jetzt noch an Frauendorf vorbei und ich bin im heimischen Cottbus. Jetzt erst mal Ostern im Kreise der Lieben genießen, und dann soll es ja in Richtung Norden weiter gehen. "Komisch, ist das wirklich so, oder bilde ich mir das nur ein", frage ich mich. Aber, seit ich in der Nähe von Cottbus bin, habe ich den Eindruck, dass die Leute nicht mehr so freundlich grüßen und ihre Mundwinkel eher nach unten klappen. Oder ich bin schon so bekannt: "mh, der schon wieder ...". 08.04.2007 (Cottbus - Lübben): Es ist Ostersonntag, und der Tag beginnt recht früh für mich. Nach ein paar kühlen Tagen, soll es jetzt wieder wärmer werden. Doch zunächst werden die Handschuhe noch gebraucht. Ich bin froh über jedes Stück Wald, in dem ich dem strammen Westwind einen Augenblick entkommen kann. Ohne Pause geht es den gut ausgeschilderten Radweg entlang, vorbei an Burg und Leipe.
Auf dem Spreedamm in Richtung Lübben trifft mich der Wind frontal. Ich ziehe zwei Fliespullis übereinander, um nicht zu frieren. Trotzdem scheint die Strecke bis Lübben immer länger zu werden. In der Lübbener Jugendherberge gibt es abends ein Grillfest, "All You Can Eat". Das Essen ist lecker und ich haue ordentlich rein. Bis zur Küste habe ich schließlich noch ein ganzes Stück vor mir. Das Haus scheint fast voll zu sein, viele Familien mit Kindern. Unter ihnen auch eine lustige Gruppe Berliner, sie sind mit Booten auf der Spree unterwegs. Ich ziehe mich allerdings beizeiten zurück um am nächsten Tag wieder fit zu sein. Abends ist auf dem Flur noch ein ganz schöner Radau. Wenn man aber wirklich schlafen will, stelle ich fest, dann wird dieser ganz allmählich ausgeblendet. 09.04.2007 (Lübben - Klein Köris): Hier, und wie ich noch feststellen werde auch in einigen anderen Jugendherbergen, gibt es das Frühstück erst ab 8:00 Uhr. Dadurch werden die Tage für mich zwar etwas kürzer, aber ich arrangiere mich damit. Auf die vielen Annehmlichkeiten, die eine Jugendherberge so zu bieten hat, will ich schließlich nicht verzichten.
"Ist es nicht besser hier in Köthen zu übernachten, oder soll ich wirklich noch weiter gehen bis Klein Köris?", frage ich mich dann am frühen Nachmittag. Letztendlich entscheide ich mich für Klein Köris. So habe ich am morgigen Tag etwas Luft, falls es wie aus Kannen schüttet. Schließlich habe ich mich ja für morgen Abend bei Britta und Ulli in Niederlehme angemeldet. Kurz hinter Märkisch Buchholz passiere ich dann ein Waldstück, dem der letzte Sturm offensichtlich ganz schön zugesetzt hat. Mein Weg ist gesäumt von umgestürzten Bäumen, und, ab und zu komme ich um eine Klettereinlage nicht herum. Später passiere ich eine Schneise im Wald. Eine breite, schnurgerade Betonpiste verrät mir, dass sich dort zu früheren Zeiten ein Militärflugplatz befand. Als ich dann in Klein Köris einen Passanten nach dem Weg zur Jugendherberge frage, will er mich am liebsten gleich mit dem Auto bis vor die Tür fahren. Ich habe Mühe ihm verständlich zu machen, dass es an der Ehre des Wandersmannes kratzt, wenn er auch nur einen Meter nicht zu Fuß zurücklegt. Dann doch zu Fuß in der Jugendherberge angekommen, buche ich das erste Mal Halbpension. Ich bin positiv überrascht, das Essen ist vielseitig und sehr gut. Es stehen vielerlei Salate, heiße Wiener, überbackene Zucchini-Scheiben und ein großes Sortiment an Wurst und Käse zur Auswahl. Und das für gerade mal 4 Euro Aufpreis. 10.04.2007 (Klein Köris - Niederlehme): Die heutige Stecke ist überschaubar, nur knapp 17 km Luftlinie. Es wird also kein Problem sein, bei Britta und Ulli zur angemeldeten Zeit aufzutauchen. Das Wetter ist wie am Vortag wechselhaft und es windet ganz schön. Als Erstes muss ich mich zum Nordufer der "Köriser Seenkette" durchschlagen, ich bin ja hier auf der Südseite. In der Nähe meiner Unterkunft gibt es weder Fähre noch Brücke, so bleibt mir ein Umweg um die beiden "Modderseen" nicht erspart. Lacht nicht, die heißen wirklich so. In Pätz (am Pätzer Vordersee) endet mein Wanderweg plötzlich an einem Schild: "Privatgrund, Betreten Verboten". "Was jetzt? Hätten die das Schild nicht schon am Anfang des Weges aufstellen können?", frage ich mich. Der Weg zurück kommt nicht in Frage, das wäre ein Umweg von mindestens einem Kilometer.
Für den zweiten Teil der Strecke kann ich mir richtig Zeit lassen. In Königs Wusterhausen faulenze ich eine ganze Weile am Ufer der Staabe und in einem ganz in der Nähe gelegen Park. Sogar die Sonne lässt sich ein paar Mal kurz blicken. Pünktlich, ja sogar zu pünktlich treffe ich dann bei Britta und Ulli in Niederlehme ein. Wir haben uns viel zu erzählen, hatte ich doch schon seit Jahren versprochen, mal in Niederlehme vorbeizuschauen. Die beiden bewirten mich köstlich. Das ist hauptsächlich Brittas Verdienst, der guten Seele des Hauses mit original spitzem Berliner Mundwerk. 11.04.2007 (Niederlehme - Hellersdorf): Die Nacht endet früh. Britta und Ulli müssen zeitig zur Arbeit und ich habe ja auch einen nicht ganz kurzen Tagesmarsch vor mir. Unschlüssig welche Strecke ich nehmen soll (der Lärm der Hauptstadt schreckt mich ein wenig), entscheide ich mich zunächst für das Westufer der Dahme. Hier geht es, leider meist nicht direkt am Wasser, durch Wildau, Zeuthen und Eichwalde bis in die Altstadt von Köpenick.
Ab dem Köpenicker Bahnhof wird es ruhiger. Durch Zufall entdecke ich das Wuhletal, das mich direkt zur Wohnung meiner heutigen Gastfamilie, zu Elfi und Dieter, führen soll. In meinen Augen ist das Wuhletal ein echtes Highlight von Berlin und mir so bis jetzt noch nicht bekannt gewesen. Dort treffe ich dann den weisen, alten Mann. Ich liege gut in der Zeit. Die Stunde die wir plaudern vergeht wie im Flug, leider. Er gibt mir Antworten auf Fragen, die mich beschäftigen. Doch, woher kennt er meine Fragen? Als der Termin bei meiner Gastfamilie näher und näher rückt werde ich ungeduldig, wir verabschieden uns. Später frage ich mich, "Wieso habe ich keine Adresse, keine Telefonnummer von ihm?" Eines ist mir auf jeden Fall klar, diese Begegnung wird mich noch weit nach dem Ende meiner Reise beschäftigen. Noch ein kurzer Abstecher auf den Klienberg, dann treffe ich pünktlich bei Elfi und Dieter ein, es wird ein schöner Abend. Ich werde köstlich bewirtet und die Zeit vergeht wie im Flug. 12.04.2007 (Hellersdorf - Wandlitz): Ein kurzes Stück in Richtung Norden begleite ich wieder die Wuhle, sie wird aber bald dünner und dünner. In Falkenberg verlasse ich das Wuhletal, es geht vorbei am Firmensitz eines großen Cola-Herstellers. Skurril finde ich, dass vor dem Pförtnerhäuschen direkt an der Straße ein Cola-Automat aufgebaut ist. Bildlich stelle ich mir vor, wie die Belegschaft das Schichtende dort bei einer Cola genießt. Zwischen Lindenberg und Schwanebeck-West geht es dann über die A10, für mich ein Meilenstein, denn ich verlasse Berlin. Na ja, noch nicht ganz, Berlin-Buch kommt noch, mein Weg führt direkt über das Gelände des Klinikums. Dort wird mir ein bisschen mulmig. Mir fehlt zwar nichts, aber vor Krankenhäusern habe ich seit jeher viel mehr Respekt als vor den Krankheiten selbst. Wie lässt sich das nur erklären? In Zepernick werde ich in einen Hinterhalt gelockt. "Betreten auf eigenen Gefahr", steht auf dem Schild. Der dazugehörige Weg ist mir eine willkommene Abkürzung. Einige 100 m weiter endet er an einem verschlossenen Tor zu einer Wohnanlage. "Betreten Verboten", heißt es jetzt. Zu faul für den Rückweg entscheide ich mich für einen schmalen Trampelpfad, der um das Grundstück herum zu führen scheint. "Da hatten wohl andere schon die selbe Idee", denke ich. 5 Minuten später stehe ich in einem ausgetrockneten Sumpf. Um mich herum ist nur noch Gestrüpp, kein Weg weit und breit. Der in Sichtweite befindliche 3 m hohe Zaun zur Wohnanlage lockt schon sehr, aber Hausfriedensbruch will ich nicht begehen. Also geht es weiter durch 's Gestrüpp, noch einen kleinen Hügel hoch und ein alter verrosteter Zaun versperrt mir auch hier den Weg.
Ein denkmalgeschützter Speicher etwas abseits von Hobrechtsfelde zeugt von der landwirtschaftlichen Vergangenheit des Ortes und kündigt ihn weithin sichtbar an. Im Ort selbst habe ich ein Gefühl, als sei die Zeit irgendwann stehen geblieben. Lediglich der Hochseilgarten erinnert mich wieder daran, dass ich mich nicht in der Vergangenheit befinde. Über einen Feldweg gelange ich an den "Steinen ohne Grenzen", dem "Internationalen Bildhauersymposion für Frieden und Menschlichkeit", vorbei und erreiche den Gorinsee. Durch große Tafeln am Wegesrand werde ich über den geschichtlichen Werdegang des Gebietes rund um Hobrechtsfelde informiert. Vom Gorinsee ist es nur noch ein kleines Stück durch den Wald bis nach Wandlitz. Die Jugendherberge liegt direkt am Wandlitzer See. Ich bin früh dran, es ist noch nicht mal halb vier und die Rezeption ist noch nicht besetzt. Ich bin nicht böse darüber und nutze die Zeit, um am Ufer des Sees eine Weile zu relaxen. 13.04.2007 (Wandlitz - Lindow): Es ist Freitag der 13. Ich bin zwar nicht abergläubisch, aber schon die Planung der Tagesstrecke bereitet mir allerhand Kopfzerbrechen. Das Tagesziel heißt Lindow (zwischen Wutz- und Gudelacksee). Der kürzeste Weg dorthin geht durch ein Landschaftsschutzgebiet. Laut meiner Karte gibt es dort jedoch keinerlei Brücke über den Oder-Havel-Kanal. Es auf Verdacht zu versuchen, ist mir zu heiß, und, schwimmen will ich auch nicht. So entscheide ich mich für eine Alternative, den Weg herum und ca. 15 km direkt an der Landstraße entlang (das ist etwa ein Drittel des heutigen Weges).
Doch das dicke Ende soll erst noch kommen. Ein paar Tage zuvor hatte ich telefonisch recherchiert, ob und zu welchem Preis man hier in Lindow nächtigen kann. In einer Pension direkt am Wutzsee sollten es 25 Euro für ein Zimmer mit Etagen-WC und -Dusche sein, das schien mir zwar nicht gerade billig, war aber ein durchaus akzeptabler Preis. Als ich das Zimmer nun beziehen will, kann sich der Chef des Hauses zwar noch an unser Telefongespräch, zu meiner Freude aber nicht mehr an den Preis erinnern. Es sollen jetzt 35 oder gar 40 Euro sein. Zuletzt bietet er mir das Zimmer dann für 30 Euro an. Ein Kulanzangebot sozusagen, aber ich will nicht mehr.
Wenn ich meine Füße und den Rucksack nicht mehr so oft wie am Anfang erwähne, dann heißt das, dass sich damit jetzt alles eingespielt hat. Die Füße drücken zwar am Ende eines jeden Tages etwas, eine Nacht Pause reicht aber aus, um sie für den nächsten Morgen fit zu machen. Weit vor der Tour, schon für Bergwanderungen im Alpenland, hatte ich mich ja für diese Lederschuhe (innen wie außen) entschieden. Diese fangen die entstehende Feuchtigkeit im Inneren gut auf. Und, kombiniert mit den richtigen baumwollfreien Wandersocken bedeutet das, dass der Fuß an sich komplett trocken bleibt. Das ist mein Garant für einen blasenfreien Fuß. Ich darf nur nicht vergessen, das Innere der Schuhe des Nachts mit Zeitungspapier zum Trocknen zu bringen. Was den Rucksack angeht, wie ein guter Freund scheint er jetzt so sehr mit mir verschmolzen, dass ich ihn schon vermisse, wenn er mal nicht da ist. Er selbst hat sich jetzt ein klein wenig wundgescheuert, das wird wohl bald ein Fall für den Rucksackdoktor. 14.04.2007 (Lindow - Prebelow): Um nach Rheinsberg zu gelangen, das Schloss dort steht schon seit geraumer Zeit auf meinem Wunschzettel, nutze ich einen gut ausgeschilderten Radweg, der kaum den Wald verlässt. Auf halber Strecke werde ich nachdenklich. Am Wegesrand tauchen drei oder vier riesige Metall-Baracken auf. Es riecht nach Huhn und klingt auch wie Huhn, scheint also eine Hühnermastanlage oder Legebatterie zu sein. Ein feinmaschiger Zaun um das Grundstück scheint mir ein sicheres Indiz dafür, dass es hier bei guter Führung auch schon mal Freigang für die Insassen zu geben scheint. Ich empfinde zunächst nur Mitleid, der Gedanke an die Tiere soll mich aber noch eine Weile beschäftigen.
Für den zweiten Teil der Strecke nach Prebelow suche ich mir einen Waldweg, meine Landstraßeneindrücke vom Vortag reichen sicher noch für die nächsten Jahre. Gern helfe ich unterwegs am Kampersee einer Gruppe Radlerinnen. Sie sind durch die Richtungspfeile der Wegweiser verunsichert, und, weil die irgendwie nicht zu ihrer Karte passen wollen. Ich staune sowieso, wie man sich auf diesen Wegen (aus zum Teil schuhtiefem Sand) überhaupt mit dem Rad fortbewegen kann. In der Prebelower Jugendherberge, in der ich sehr herzlich aufgenommen werde, treffe ich auf eine Gruppe Radler aus der Nähe von Chemnitz. Es sind mehrere Familien, so an die 20 Personen, die hauptsächlich im Mecklenburger Raum von Jugendherberge zu Jugendherberge unterwegs sind. Durch einen Keinbus mit Anhänger für die Räder sind sie mobil, so dass sie auch mal einen größeren Ortswechsel vornehmen können. Leider endet deren Reise hier, der Urlaub ist am Folgetag zu Ende. Ich habe dafür noch ein ganzes Stück vor mir. Aber, ich freue schon auf all' das, was mir die nächsten Tage noch bringen werden. Am Abend ziehe ich in Erwägung, die nächste Etappe nach Mirow im Kanu zurückzulegen. 19 km ermittle ich auf meiner Karte. Der Empfangschef der Jugendherberge rät mir jedoch ab. An einer Stelle fehlt wohl die Schleuse. Und, es sei nicht ratsam, so ein Kanu allein umsetzen zu wollen. Er kennt sich hier besser aus, ich höre auf ihn. Wieder ein Punkt auf meinen Wunschzettel: "Kanutour zu zweit". 15.04.2007 (Prebelow - Mirow): Es ist Sonntag. Bis nach Mirow ist es heut nur ein kurzes Stück, die Füße jubeln. Erst geht es durch den Wald, dann über verschlafene Dorfstraßen und an landschaftlich sehr schönen Seen, der Diemitzer Schleuse und an mehreren Campingplätzen vorbei. Bei Fleeth ist die auf meiner Karte eingezeichnete Brücke für Fußgänger gesperrt.
Den Nachmittag verbringe ich dann in Mirow, meinem Tor zum "Müritz-Nationalpark". Auf der Schlossinsel bestaune das in der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Mirower Schloss. Auch die sich daran anschließende Liebesinsel findet meinen Zuspruch. Hier sorgt ein sich zärtlich küssendes Paar dafür, dass die Insel ihrem Namen in meinen Augen mehr als gerecht wird. Es ist schön zu sehen, wie für zwei Menschen nichts auf der Welt wichtiger ist, als genau dieser eine wunderbare Augenblick. Ein Augenblick, der einen Hauch von Ewigkeit in sich trägt. In der Jugendherberge bekomme ich diesmal kein Abendessen, das ist meine Schuld, ich hätte mich ja auch telefonisch anmelden können. Bisher bin ich die Jugendherbergen immer nur auf gut Glück angelaufen. Der zweite kleine Wermutstropfen ist, dass sich in meinem 1-Mann-Bungalow mit Dusche und WC nur eine Schlafcouch befindet. Ich arrangiere mich jedoch damit. Ansonsten gibt es nichts zu meckern, alles ist neu und gepflegt und das Personal sehr freundlich. 16.04.2007 (Mirow - Waren): Heute soll es durch den im Jahre 1990 gegründeten "Müritz-Nationalpark" gehen. Das ist ein Streckenabschnitt, den ich schon seit ein paar Jahren im Auge habe. Je näher ich dem Nationalpark komme, umso ruhiger wird auch mein Umfeld. Die Hektik des Alltags scheint den kleinen Ortschaften hier gänzlich zu fehlen. Kurz hinter Boek liegt der Nationalpark dann direkt vor mir. Es ist ruhig, Fußgängern begegne ich gar nicht mehr, nur vereinzelt kommt mir ein Radler entgegen. Am ersten Beobachtungsstand wird herumgewerkelt, er ist für den Publikumsverkehr gesperrt, so bleibt mir ein erster Blick auf die Müritz zunächst versperrt. Zahlreiche Infotafeln am Wegesrand informieren mich über den geschichtlichen Werdegang des Gebietes, in dem ich mich gerade bewege. Informationen darüber, wie der Mensch dieses Gebiet durch künstliche Entwässerung, mit der er bereits in den letzten Jahrhunderten begann, stark geschädigt hat. Andere Tafeln geben mir Auskunft über die Pflanzen- und Tierwelt hier. Der Werdegang des Nationalparks erinnert mich stark an die Geschichte des Naturschutzgebietes "Vejlerne" im dänischen Amtsbezirk Viborg, dem ich vor ein paar Jahren einen Besuch abgestattet hatte. Entspannt genieße ich die Natur. Doch es ist nicht still. Jeder der Vögel hier scheint mir aufgeregt verkünden zu wollen, wie froh er doch ist, dieses Fleckchen Erde für sich entdeckt zu haben. "Doch was ist das", wie gebannt blicke ich auf einen Stock, der auf dem Boden direkt vor mir ein gewisses Eigenleben entwickelt. Sofort wird mir klar, "das ist kein Stock", einer Schlange sitzt der Schock offenbar genau so tief in den Gliedern wie mir selbst. Dann geht alles blitzschnell.
In der Jugendherberge von Waren angekommen, erklärt man mir wieder, dass ein Abendessen ohne vorherige Anmeldung nicht möglich sei. Das verstehe ich, es sind ja (mit mir) auch nur zwei Gäste im Haus. Der Hafen wie auch die Altstadt sind nur einen knappen Kilometer entfernt. So mache ich also noch einen Hafen- und Stadtrundgang, esse einen Happen und genieße es, in den Abendstunden bei strahlend blauem Himmel am Hafen nur so vor mich hin zu dösen. 17.04.2007 (Waren - Teterow): Der nächste Tag beginnt staubig. Kurz vor dem Tiefwarener See muss ich einen Weg aus losem Sand entlang. Solche Wege kommen hier in Mecklenburg häufiger vor, meist kombiniert als Fuß-, Rad- und Autoweg. Das Schild: "Schrittgeschwindigkeit" wird von einem vorbeifahrenden Baufahrzeug recht frei interpretiert.
Fast ausgestorbene Dorfstraßen gehe ich entlang, um bei Alt Falkenhagen auf die stillgelegte Bahnstrecke von Waren nach Malchin zu stoßen. Die stark korrodierte Oberfläche der Schienen zeugt davon, dass hier schon eine Ewigkeit kein Zug mehr gefahren sein kann. Später werde ich erfahren, dass diese Bahnstrecke gerade einmal 117 Jahre in Betrieb war, bevor sie 1996 stillgelegt wurde. Ich kann der Versuchung nicht widerstehen, nur ein oder auch zwei Kilometer will ich direkt auf dem Gleisbett entlang gehen. Dichtes Gestrüpp versperrt mir ab und zu den Weg. Ringsum ist alles wie ausgestorben. Gedanken an die blühende Vergangenheit dieser Bahnverbindung machen sich breit. Hoch über mir entdecke ich das Relikt aus einer schon vergessenen Zeit, den Isolator einer längst nicht mehr genutzten Telegrafenleitung. In meiner lebhaften Fantasie höre ich das Pfeifen einer Dampflok, das ist das Zeichen für mich, die Gleise wieder zu verlassen. Später sehe ich einen alten Bahnhof, der sich jetzt in ein schickes Wohnhaus verwandelt hat. In Schwinkendorf, einer 600-Seelen-Gemeinde, die meinen Weg kreuzt, erlebe ich dann ein kleines Wunder, "Heidis Landladen", wenn ich den Namen richtig in Erinnerung habe. Auf meiner Wandertour habe ich weit größere Orte gesehen, in denen sich kein kleiner Laden mehr befand. Das ist auch so ein Paradoxon unserer Zeit.
Ab hier verläuft mein Weg dann durch den Naturpark "Mecklenburgische Schweiz", über Basedow und am Malchiner See vorbei zur Jugendherberge in Teterow. Heute melde ich mich lieber telefonisch an, so komme ich später in den Genuss eines reich gedeckten Abendbrotstisches. Zuvor mache ich noch einen Abstecher in die Teterower Altstadt, es geht zunächst am, aus dem 14. Jahrhundert stammenden, Malchiner Tor vorbei. Leider schließt das darin befindliche Stadtmuseum kurz nach meinem Eintreffen seine Pforte. Aber das ist der Preis bei einer so langen Tour zu Fuß, man ist nie lang an einem Ort. Und wenn doch, dann meist zur falschen Tageszeit. Auch das Mühlenviertel mit seinem Spritzenhaus sehe ich mir an. Die Zeit vor dem Sonnenuntergang genieße ich am Teterower See. 18.04.2007 (Teterow - Schwaan): Das Motto für den Weg nach Schwaan ist der Wind. Es ist kalt geworden, so um die 10 °C schätze ich. Der Wind will mich begrüßen, mit all seiner Kraft kommt er mir entgegen. Laut Vorhersage sind das heute mehr als 10 m/s. Selbst wenn es schon längst bergab geht, hat man noch das (gute) Gefühl als ginge es bergauf. Woher kommt mir das nur so bekannt vor?
Das Ganze hat sich mehr als gelohnt, jetzt kann mich der kalte Wind mal ... Eine Kraftanstrengung bleiben die restlichen 40 km dann allerdings doch. Knappe 500 m an der B103 entlang lassen mich kurze Zeit später richtig schwitzen. Doch es ist Angstschweiß, gefühlte 20 cm donnern die dicken Brummis an mir vorbei. Na gut, nicht alle, aber einige. Eine Wahl habe ich nicht, selbst der ausgeschilderte Wanderweg verläuft hier entlang. Nach 9 Minuten habe ich es geschafft, hurra, ich lebe noch. Aus Mangel an Bänken (bis hierher haben es vielleicht noch nicht so viele geschafft) wird die Mittagsmahlzeit, zwei Brötchen und ein Obst, direkt im Gras neben einer Sandpiste eingenommen. Diese ist wieder Fußweg, Radweg und Straße in einem. Und ganz gut von Autos befahren, wie sich gleich herausstellen soll. Lediglich für die Zeit der Mittagsrast gönnt man mir eine staubfreie Lunge. Wenig später ist es dann eine selbst ausgesuchte Abkürzung, die mir fast zum Verhängnis wird. Der Weg, in meiner Karte ganz klar als durchgängiger Weg eingezeichnet, entpuppt sich als Sackgasse. Eine heruntergelassene Schranke, unten mit allerlei feinmaschigem Drahtgeflecht dicht gemacht, versperrt mir den Weg. Dahinter ist so eine Art Farm, die ersten 100 m aber erst mal gar nichts.
In Schwaan stelle ich dann fest, dass man auf Touristen gar nicht eingestellt ist. Ein Tourismusbüro gibt es zwar, das hat aber schon seit 16:00 Uhr geschlossen. Im Hotel des Ortes erfahre ich, dass es eine Liste von Privatzimmern gibt, aber nicht wie ich an diese herankomme. Nach mehrmaligem durchqueren der Stadt finde ich dann doch ein Zimmer, zwar ohne Frühstück, aber schick ist es. Ein paar Teebeutel finde ich in der Küche und ein belegtes Brötchen bekomme ich morgen Früh dann hoffentlich beim Bäcker gleich nebenan. Abendbrot esse ich in einer skurrilen Live-Musik-Kneipe, der "Sackgasse 25". Die kann ich jedem Schwaan-Besucher nur wärmstens empfehlen. 19.04.2007 (Schwaan - Rostock): Bis Rostock sind es nur noch 17 km Luftlinie, ich nutze ein Stück des Radweges Berlin - Kopenhagen. Viel wärmer als am Vortag ist es nicht, dafür hat der Wind gedreht. Er kommt jetzt aus Südwesten, heut unterstützt er mich. Mein Weg führt mich über Felder und an ein paar verschlafenen kleinen Orten vorbei. Der Raps steht in seiner vollen Blüte, sein Geruch geht mir durch die Nase und ich genieße es. Noch vor dem Mittag passiere ich die Stadtgrenze von Rostock. So bleibt mir genug Zeit, um die Innenstadt anzuschauen und um ein paar Postkarten zu schreiben. Nach wie vor ist es sehr windig und der Himmel ist meist bedeckt.
Langsam wird es Zeit, mich nach meinem Schlafplatz umzuschauen. Die "Georg Büchner", das Jugendherbergsschiff soll direkt im Stadthafen von Rostock liegen. Aber hier liegt nur ein Schiff, in meinen Augen ein recht modernes, welches als Restaurant und Hotel um Gäste wirbt. Eine gute Viertelstunde weiter, vorbei am Theater und an den alten Piers (die jetzt Gaststätten beherbergen) finde ich sie dann auf der anderen Seite des Hafens. Das Schiff stellt sich als echtes Highlight heraus. Es wurde 1951 in Belgien gebaut und befuhr die Weltmeere dann bis 1977. Als Gast habe ich die Möglichkeit, mich in allen unverschlossenen Bereichen des Schiffes nach Herzenslust umzuschauen. Und glaubt mir, das war schon ein kleines Erlebnis für sich.
Das Frühstück wird in der Offiziersmesse gereicht, ich stärke mich für den Tag. Knapp 20 km sind heute geplant. Zunächst geht es am alten Hafen vorbei in Richtung IGA-Gelände. Hier fand im Jahr 2003 die "Internationale Gartenbauausstellung" statt. Ich will mich etwas umsehen, ein Besuch im Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum, auf der ehemaligen MS Dresden, steht ebenfalls auf dem Programm. Am frühen Nachmittag erreiche ich dann Warnemünde, als erstes mache ich eine kleine Erkundungstour durch den Ort. Der Wind erscheint mir viel stärker als am Vortag. Wenigstens eine Hand will ich noch mit Ostseewasser benetzen, doch der Weg zum Ufer wird mir erschwert. Der Wind peitscht über den Sand. Wenn der feine Sand durch eine Windböe hochgerissen wird, fühlt sich das auf der Haut wie 1000 feine Nadelstiche an. Selbst aus meinen Hosentaschen werde ich später Unmengen feinsten Strandsand an 's Tageslicht befördern. Die 5-Sterne-Jugenherberge befindet sich am anderen Ende von Warnemünde. Bevor ich sie aufsuche, fülle ich vorsichtshalber meinen Proviantvorrat auf. Im Augenblick bin ich noch unsicher, ob der nächste Tag ein Heimreisetag wird oder ob ich ein paar Verlängerungstage beim Reiseveranstalter :-) buche. Die Jugendherberge ist gut gefüllt. Die 5 Sterne wirken sich natürlich auf den Preis aus, aber auch das Abendessen ist vorzüglich. Es gibt warmes Essen am Buffet und einen leckeren Nachtisch. Als ich den Speiseraum verlasse, platze ich fast. Beim abendlichen Spaziergang am Strand werde ich eiskalt versandet, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ich breche ihn ab und gehe lieber noch ein paar mögliche Routen für die folgenden Tage durch. 21.04.2007 (Warnemünde - Ribnitz): Es ist früh am Morgen. Der Wind hat nachgelassen und es verspricht wieder etwas wärmer zu werden. Doch so kenne ich Warnemünde noch nicht. Das Zentrum liegt verschlafen vor mir, auf der Uferpromenade entdecke ich keine einzige Menschenseele. Als ich den Bahnhof hinter mir lasse und die Fähre in
Als ich ein Stück vor Ribnitz eine Rinderzuchtanlage passiere, meine Nase macht mich rechtzeitig darauf aufmerksam, fällt mir die Hühnerzuchtanlage von kurz vor Rheinsberg wieder ein. Nachdenklich kommen Fragen in mir auf, Fragen, deren Antworten mir nicht recht gefallen wollen. Wer gibt uns Menschen eigentlich das Recht, Tiere (ja überhaupt andere Lebewesen) einzusperren, sie unter Bedingungen zu halten, die nur uns selbst recht und billig erscheinen und sie abzuschlachten, nur damit unser Essenstisch reich gedeckt ist? Etwa die Nahrungskette, an deren oberste Stelle wir uns gesetzt haben? Haben wir nicht im Gegensatz zu Tieren eine Moral. Eine Moral, die uns eigentlich davon abhalten sollte? Oder haben wir sogar eine Doppelte? Eine, die wir anwenden, um Vergehen gegen Menschen zu richten. Und eine andere, die uns auf diesem Planeten alles erlaubt. Und welches Opfer bin ich eigentlich selbst bereit zu bringen, um mich nicht weiter mitschuldig zu machen? Kurz vor Ribnitz habe ich ein ungutes Gefühl. Versuche ich doch schon den ganzen Tag, mich in der dortigen Jugendherberge anzumelden. Außer dem Anrufbeantworter will jedoch keiner mit mir sprechen. Direkt an der Eingangstür entdecke ich dann ein Schild mit einer anderen als der offiziellen Rufnummer. Dort möchte man nur zwischen 17:00 Uhr und 20:00 Uhr gestört werden. Es ist aber erst halb fünf, so entscheide ich mich noch für einen kleinen Abstecher in 's Zentrum von Ribnitz. Abendbrot werde ich später in der Jugendherberge nicht bekommen, schließlich habe ich mich nicht rechtzeitig angemeldet. Auch ein Gefühl des herzlichen Willkommenseins will sich irgendwie nicht so recht einstellen. Das bestätigt mir ein Hamburger Biker, der eine Weile nach mir eintrifft. Das soll sich jedoch beim Frühstück am nächsten Morgen ändern. Die Köchin, offensichtlich die gute Seele des Hauses, sprüht nur so vor Herzlichkeit. Die nächste Unterkunft in Barth buche ich lieber sofort.
Nachdem ich Ribnitz und auch Damgarten passiert habe, folge ich einem nach Barth ausgeschilderten Wanderweg. Als ich den ersten Sonntagsspatziergängern begegne, grüßen wir einander freundlich. Nach ein paar Kilometern verlasse ich den Wanderweg, der entlang einer wenig befahrenen Landstraße verläuft. Mein Weg wird jetzt rechts und links von Feldern gesäumt, später gehe ich Waldwege entlang. An der Weggabelung in der Nähe eines Reiterhofes lege ich meine Mittagspause ein. Kurz vor Barth komme ich dann an "der" Wundereiche vorbei. In früheren Zeiten sagte man ihr Wunderkräfte nach. Angeblich würden Knochenleiden geheilt, wenn man durch ein Loch in deren Stamm kröche. Heut ist das Loch nur noch etwa 20 cm groß, es würde niemand mehr hindurch passen. Die Wunderkraft ging aber ohnehin schon vor langer Zeit verloren, als jemand seinen Hund durch das Loch im Stamm schob. Vor ihr treffe ich einen Achtzigjährigen. Er hatte nicht so viel Glück. Noch vor einem Jahr war er mit seinem Fahrrad 100 km am Tag und mehr unterwegs. Nachdem er als Fußgänger von einem Auto angefahren wurde, schafft er jetzt mit einer angeschlagenen Hüfte gerade mal noch zwanzig. Ich leide mit ihm. Begeistert schwärmt er jedoch von der Landschaft hier. Ich bin froh zu sehen, dass er nicht aufgegeben hat. Als wir uns verabschieden, wünsche ich ihm alles Gute. In Barth angekommen, bestaune ich zunächst die Altstadt. Die im 13. Jahrhundert errichtete Sankt-Marienkirche bleibt mir leider verschlossen. Interessant find ich, dass der Brunnen auf dem Markt noch Inschriften aus der Zeit des Arbeiter- und Bauernstaates enthält. Am Hafen lege ich eine kurze Pause ein, hier ist heut nicht viel los. Lediglich ein Passagierschiff kommt und verlässt den Hafen, während ich nur so dasitze und den Augenblick genieße. Die Jugendherberge von Barth liegt ca. 3 km außerhalb des Ortes. Die Empfangsdame zeigt sich erstaunt darüber, dass ich zu Fuß unterwegs bin. Ich beziehe einen Bungalow mit Dusche und WC für mich allein. Die Aussicht ist hervorragend, ich blicke auf ein Rapsfeld, dahinter am Horizont ragen Windkraftanlagen in den Himmel. Gleich nebenan befindet sich ein Reiterhof. Nach dem Abendessen schaue ich dort bei Springreitübungen zu. 23.04.2007 (Barth - Stralsund): Wehmütig stelle ich fest, dass das heut die letzte Etappe meiner Reise werden soll. "Stralsund 40,8 km", lese ich an einem Wegweiser, nachdem ich die Jugendherberge verlassen habe. Am Anfang will ich dem Weg noch folgen, später werde ich eine geeignete Abkürzung suchen. Der Weg führt mich zunächst am Grabow-Bodden vorbei, hier nehme ich für 's Erste Abschied von der See.
Als ich in Stralsund ankomme, bleibt mir noch genug Zeit für die historische Altstadt. Ich lasse den Frankenteich rechts liegen und gelange so zum Hafen. Sofort fällt mir die neue Brücke zur Insel Rügen auf, sie ist fast fertiggestellt. Die Restarbeiten scheint man damit zu finanzieren, dass man kostenpflichtige Baustellenführungen anbietet. Am Hafen selbst baut man ein überdimensionales Ozeaneum. Im Hafen versuchen wieder viele Angler ihr Glück. Ich schaue ihnen eine ganze Weile zu. Ein ungewöhnliches Paar fällt mir besonders auf. Beide tragen nicht die sonst übliche Anglerkluft, eher normale Straßenkleidung. Er kennt sich recht gut aus, gibt ihr dann und wann einen Tipp, bekommt dafür selbst nicht einen einzigen Fisch an den Haken. Sie hingegen, zieht einen Hering nach dem anderen an Land. Als ich mir am benachbarten Fischstand gierig ein leckeres Fischbrötchen einverleibe, verdränge ich den Gedanken an das unnatürliche Ableben des darauf befindlichen Fisches. Ich genieße es, dabei das bunte Treiben am Stand selbst zu beobachten. Danach wird es langsam Zeit. Auf dem Weg zurück in die Altstadt komme ich am Johanniskloster vorbei, einem Franziskanerkloster, das im Jahr 1254 erbaut wurde. Später, auf dem alten Markt sticht mir sofort die auffällige Schaufassade des Stralsunder Rathauses in 's Auge. Gleich neben dem Rathaus befindet sich die Nikolaikirche. Schließlich führt mich mein Weg am Meeresmuseum vorbei, und ich verlasse die geschichtsträchtige Altstadt durch das im Jahr 1446 errichtete Kütertor. Auf dem Küterdamm passiere ich dann den Knieperteich und gelange so zum Bahnhof. Von hier aus trete ich die Heimreise an. Auf dem Berliner Hauptbahnhof habe ich noch einen knapp einstündigen Aufenthalt, den ich als Fotostopp nutze. Wie ich später beim Zusammenrechnen feststelle, bin ich während der Tour insgesamt etwa 800 km zu Fuß gelaufen. Damit gehen 3 1/2 Wochen zu Ende, die ich bald sehr vermissen werde. Ich war zwar nur mal um die Ecke, und doch bin ich dabei weiter gekommen, als mich ein Flugzeug je tragen wird. Und ich habe einiges gelernt. Ich will nicht sagen, dass ich Jahre an Erfahrung gewonnen habe, aber ein klein wenig schon. Ich denke, dass ich alles um mich herum ab jetzt zumindest mit einem etwas anderen Auge wahrnehmen werde. |